Issue 30.2 - November 2020

Eine bessere Welt für unsere Haustiere

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Einleitung

Körperliche Aktivität gilt als das effektivste Mittel zur Förderung der öffentlichen Gesundheit ( 1 ). Der Grund hierfür ist der Einfluss von Bewegung auf zahlreiche physische und psychologische Ursachen von Morbidität und Mortalität, wie zum Beispiel kardiovaskuläre Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Adipositas, Krebs und die mentale Gesundheit ( 2 ) ( 3 ). Für erwachsene Menschen werden pro Woche im Durchschnitt mindestens 150 Minuten körperlicher Aktivität einer moderaten Intensität empfohlen, – zum Beispiel rasches Gehen –, aber nur 75 % aller Erwachsenen halten diese Richtlinie im Alltag tatsächlich ein, und unter Frauen, jungen Menschen, älteren Erwachsenen und in Ländern mit höheren Einkommen ist dieser Anteil sogar noch geringer ( 4 ). Einfaches Laufen gilt in diesem Zusammenhang als die sicherste und zugleich kostengünstigste körperliche Aktivität, und von offizieller Seite werden beträchtliche Anstrengungen unternommen, um Menschen dazu zu bewegen, im täglichen Leben mehr zu Fuß zu gehen ( 5 ).

Der mächtigste bekannte Motivator für körperliche Aktivität ist in den meisten Haushalten wohl schon gefunden. Zahlreiche Studien in vielen Ländern haben einen Querschnittszusammenhang zwischen Hundebesitz und erhöhtem körperlichem Aktivitätslevel bei Hundebesitzern festgestellt ( 6 ). Eine jüngste Studie aus Großbritannien stellt fest, dass 87 % der Hundebesitzer die allgemeinen Empfehlungen zur körperlichen Aktivität einhalten, während dies bei Nicht-Hundebesitzern nur zu 63 % der Fall ist ( 7 ). Die Frage ist allerdings, ob Hundebesitz die Menschen aktiver macht oder ob aktivere Menschen eher Hunde halten. Eine Reihe von longitudinalen Studien stützt vorsichtig die erstgenannte dieser beiden Theorien ( 6 ) ( 8 ). Die erhöhte körperliche Bewegung scheint insbesondere darauf zurückzuführen sein, dass Menschen häufiger und länger spazieren gehen, wenn sie einen Hund besitzen, wobei es aber keine Evidenzen dafür gibt, dass das Spazierengehen mit dem Hund intensivere Formen körperlicher Aktivität wie Sport ersetzt ( 7 ). Das Ausmaß des Hundeausführens scheint darüber hinaus aber auch von kulturellen und länderspezifischen Faktoren beeinflusst zu sein. So ist das Spazierengehen mit Hunden zum Beispiel in Nordamerika und Australien tendenziell geringer ausgeprägt als in Großbritannien, was unter anderen auf unterschiedliche klimatische Bedingungen und unterschiedliche Wetterverhältnisse zurückzuführen sein könnte ( 7 ). Zum Glück werden Hundebesitzer durch Dinge wie schlechtes Wetter im Allgemeinen weniger vom Spazierengehen abgehalten als Menschen ohne Hund (Abbildung 1) ( 9 ), was zum Teil erklärt, warum Hundebesitzer im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen ohne Hund körperlich aktiver sind, insbesondere in Großbritannien. Natürlich stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, wie „aktiv“ das Hundeausführen tatsächlich ist. Denn das Sitzen auf der Parkbank, während der Hund herumspringt (Abbildung 2), kann nicht wirklich als „Ausführen“ bezeichnet werden. Einer Studie zufolge kann das Hundeausführen in 78 % aller Fälle als „moderat intensiv“ klassifiziert werden und in 4 % der Fälle sogar als „hoch intensiv“, in der Mehrzahl aller Fälle also eindeutig ausreichend, um Gesundheitsvorteile zu erzielen ( 10 ).

Abbildung 1. Hundebesitzer werden durch schlechtes Wetter im Allgemeinen weniger vom Spazierengehen abgehalten als Menschen ohne Hund und bleiben auch weiterhin motiviert, nach draußen zu gehen.
© Shutterstock
Abbildung 2. Gelegentlich muss die Frage gestellt werden, wie „aktiv“ das Hundeausführen tatsächlich ist. Denn das Sitzen im Park, während Ihr Hund herumspringt, kann nicht wirklich als „Ausführen“ bezeichnet werden.
© Shutterstock

Körperliche Aktivität ist aber nicht nur für den Besitzer wichtig, sondern auch für die Hunde, und zwar sowohl für deren physische Gesundheit als auch für die mentale Stimulation. Etwa die Hälfte aller als Heimtiere gehaltenen Hunde ist übergewichtig ( 11 ) ( 12 ). In Anbetracht der Tatsache, dass Adipositas das Resultat eines über längere Zeit anhaltenden Ungleichgewichts zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch ist ( 13 ), könnten Besitzer annehmen, dass eine einfache Steigerung der körperlichen Aktivität die richtige Lösung für einen adipösen Hund ist. Eine neuere Untersuchung zeigt jedoch, dass vermehrte körperliche Bewegung allein nicht zu einem signifikanten Gewichtsverlust führt, eine diätetische Kalorienrestriktion dagegen schon ( 14 ). Auch bei Menschen ist bekannt, dass allein eine geringe Steigerung des zu Fuß Gehens nicht ausreicht, um einen Gewichtsverlust herbeizuführen ( 15 ). Vor diesem Hintergrund bleibt festzuhalten, dass vermehrtes Spazierengehen für viele Hunde sehr wahrscheinlich von Vorteil ist, bei übergewichtigen Hunden aber nicht als Ersatz für diätetische Maßnahmen gelten sollte.

Barrieren und Motivatoren für das Hundeausführen

Auch wenn Hundebesitzer bei Betrachtung der Gesamtpopulation sicherlich körperlich aktiver sind, gibt es immer noch viele Menschen, die mit ihren Hunden nicht so viel spazieren gehen, wie sie vielleicht sollten oder könnten. In diesem Zusammenhang stellt eine Studie fest, dass nur 60 % der Besitzer mit ihren Hunden durchschnittlich vier Stunden pro Woche spazieren gehen ( 6 ). Dies weist sehr deutlich darauf hin, dass die Bemühungen der für die öffentliche Gesundheit zuständigen Institutionen zur Ermunterung von Menschen, ihre Hunde häufiger auszuführen, durchaus berechtigt sind ( 8 ). Einige Faktoren, die mit einem vermehrten oder einem herabgesetzten Ausführen von Hunden zusammenhängen, wurden in diesem Zusammenhang als potenzielle Zielgrößen definiert. Die stärkste Evidenz für diese Unterschiede liegt jedoch in der vielfältigen Natur der Mensch-Hund-Beziehungen. Übersetzt heißt dies, dass einige Hund-Besitzer-Beziehungen schlicht und ergreifend besser darin sind, soziale Unterstützung, Motivation und ein Pflichtgefühl für das Hundeausführen zu generieren als andere ( 16 ). Jüngste Untersuchungen zur Beantwortung der Frage, warum Besitzer ihre Hunde ausführen und auf welche Weise sie entscheiden, wie oft sie mit dem Hund spazieren gehen, fanden heraus, dass Besitzer, die nach eigener Einschätzung  eine enge wechselseitige Beziehung mit ihrem Hund haben, eher einen besonderen Verantwortungssinn dafür haben, die Bedürfnisse ihres Hundes nach körperlicher Bewegung zu befriedigen ( 17 ). Auch wenn Besitzer sagen, dass sie hauptsächlich „für den Hund“ spazieren gehen, ist klar, dass sie die körperliche Bewegung auch für ihre eigene Stressbewältigung und Entspannung nutzen ( 18 ). Wie zum Beispiel eine Besitzerin sagt:

„Es geht ja nicht nur um die körperliche Bewegung, die man durch das Hundeausführen bekommt, das hat auch mentale Vorteile. Meine Freundin, die keinen eigenen Hund hat, geht mit mir und meinem Hund spazieren und sagt, dass es nahezu unmöglich ist, schlecht gelaunt zu sein, nachdem man gesehen hat, wie die Hunde herumtollen und Spaß haben.“

Abbildung 3. Das Nachempfinden der Lebensfreude eines Hundes, der Spaß beim Spielen und Herumtollen ohne Leine hat, ist für Besitzer ein sehr wichtiger Aspekt des Hundeausführens.
© Gareth Bayliss

Gestützt wird diese Erkenntnis durch quantitative Forschung, die zeigt, dass intrinsische Motivatoren (z. B. Spaß an der Bewegung) für das Hundeausführen offenbar wichtiger sind, als extrinsische Faktoren (z. B. das Vermeiden von Schuldgefühlen) ( 19 ). Der Schlüssel zu diesem Glücksgefühl liegt im Nachempfinden der Lebensfreude eines Hundes, der Spaß hat beim Spielen und Herumtollen, meist ohne Leine (Abbildung 3). Nicht zuletzt deshalb ist der Zugang zu Flächen, auf denen Hunde ohne Leine spielen dürfen, so wichtig. Denn dies unterstützt den Spaß auf Seiten der Besitzer und fördert damit auch deren Motivation, mit dem Hund regelmäßig und häufig nach draußen zu gehen.

In Untersuchungen wird durchweg festgestellt, dass die Körpergröße des Hundes mit dem Hundeausführverhalten der Besitzer assoziiert ist ( 20 ) bzw. mit der durch den Hund ausgelösten Motivation zum Spazierengehen ( 21 ). Dabei ist zu beobachten, dass kleinere Hunde mit geringerer Wahrscheinlichkeit ausgeführt werden als ihre größeren Artgenossen. Die Größe der Hunde ist aber nur ein relativ grobes Maß für die Aktivität, denn das Ausmaß der körperlichen Bewegung unterscheidet sich erheblich von Rasse zu Rasse ( 22 ). Einige der Rassen mit der wenigsten Bewegung gehören nämlich tatsächlich in die Kategorie der großen Hunde (Box 1). Die weit verbreitete Annahme, dass kleine Hunde oder Hunde bestimmter Rassen weniger körperliche Bewegung brauchen, stellt eine häufige Barriere für das Hundeausführen dar und muss deshalb entsprechend thematisiert werden ( 18 ).

  • Afghane 50 %
  • Papillon 59 %
  • Pyrenäenberghund 60 %
  • Bloodhound 60 %
  • Chihuahua 62 %
Box 1. Rassen, die mit der geringsten Wahrscheinlichkeit, einmal oder mehrmals täglich körperliche Bewegung bekommen.

Aber auch das Verhalten des Hundes kann die Motivation des Besitzers für das Ausführen seines Tieres reduzieren. Hier gibt es zwei Hauptgründe:

  • Der Hund scheint körperliche Bewegung nicht zu mögen.
  • Das Verhalten des Hundes macht das Spazierengehen stressig.
Abbildung 4. Der Zugang zu geeigneten Spaziermöglichkeiten vor Ort fördert das Hundeausführen. Dies unterstreicht die wichtige Bedeutung geeigneter Flächen, auf denen Menschen körperlich aktiv sein können.
© Shutterstock

Unter solchen Bedingungen fällt es dem Besitzer dann leicht, zu argumentieren, dass es „das Beste für den Hund“ ist, nicht spazieren zu gehen, weil er sehr „nervös“ oder „faul“ ist ( 18 ). Insbesondere das gleichzeitige Ausführen mehrerer Hunde kann erhebliche Probleme mit sich bringen ( 20 ), demotivierend wirkt sich aber auch die Wahrnehmung aus, dass der Hund alt oder krank ist oder an zu hohem Übergewicht leidet ( 21 ). Aber auch das Verhalten anderer Menschen kann dafür verantwortlich sein, dass sich Menschen nicht am Ausführen des Hundes beteiligen, zum Beispiel wenn es einfach ist, eine andere Person mit dieser Aufgabe zu betrauen ( 21 ). Jüngsten Untersuchungen zufolge hat das Etablieren des Hundeausführens als Gewohnheit oder Routine eine wichtige Bedeutung, sowohl in der qualitativen ( 18 ) als auch in der quantitativen Forschung ( 23 ). Nicht zuletzt hängt aber auch der Zugang zu geeigneten Spaziermöglichkeiten vor Ort mit dem Ausmaß des Hundeausführens zusammen ( 24 ) ( 25 ). Dies unterstreicht die Verantwortung der Politik, der Städteplanung und der Landschaftsplanung für die Bereitstellung geeigneter Flächen und Strukturen, die körperliche Aktivitäten von Menschen fördern (Abbildung 4).

Praktische Tipps zur Unterstützung des Hundeausführens

Als Tierarzt, dessen Expertise von Besitzern sehr geschätzt wird, haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, das Ausführen von Hunden zu fördern und die Motivation der Hundehalter zu verbessern. Dies wird nicht nur für Ihre Patienten von Vorteil sein, sondern letztlich auch für deren Besitzer:

  • Korrigieren Sie die Annahme, dass kleine oder alte Hunde nicht viel Bewegung brauchen. Wenn es die Gesundheit erlaubt (was der Tierarzt überprüfen und beurteilen kann), sind die meisten Hunde durchaus in der Lage, täglich mindestens 30 Minuten spazieren zu gehen, und viele Hunde sogar noch sehr viel länger. Erläutern Sie Besitzern anhand von Beispielen, auf welche Weise vermehrtes Spazierengehen die Gesundheit und die Lebensqualität ihres geliebten Haustieres verbessern kann.
  • Helfen Sie Besitzern, das Hundeausführen zu planen, um eine Routine zu entwickeln. Viele Besitzer wollen ihren Hund durchaus mehr ausführen, in der Realität des Alltages gelingt ihnen das aber nicht. Die Umwandlung von Absicht in Aktion ist ein zentral wichtiger Aspekt humaner Verhaltensänderungen. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um Besitzer zu fragen, wann in ihrem Tagesablauf die beste Zeit für das Ausführen des Hundes wäre und wo sie den Hund ausführen können. Bringen Sie die Besitzer dazu, sich zum Einhalten eines Zeitplanes verpflichtet zu fühlen, indem sie das Hundeausführen als fixen Termin in ihren Kalender eintragen. Wenn Besitzer damit zu kämpfen haben, früh aufzustehen, um mit dem Hund nach draußen zu gehen, schlagen Sie vor, die Kleidung für das morgendliche Hundeausführen bereits am Abend zuvor herauszulegen, damit dies am Morgen nicht so viel Mühe macht.
  • Geben Sie Tipps für das Training ohne Leine und das Zurückrufen des Hundes. Nach den Erfahrungen der Autorin sind diese beiden Punkte am wichtigsten für Hundebesitzer, und das Beherrschen eines oder beider dieser Aspekte macht das Hundeausführen für Besitzer in der Regel sehr viel vergnüglicher und motivierender. Box 2 und Box 3 listen einige Tipps auf, die der Tierarzt seinen Hundebesitzern weitergeben kann.
Carri Westgarth„Als Tierarzt, dessen Expertise von Besitzern sehr geschätzt wird, haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, das Hundeausführen und die Motivation der Hundehalter zu fördern. Dies wird nicht nur für Ihre Patienten von Vorteil sein, sondern auch für deren Besitzer.“Carri Westgarth
  • Überweisen Sie Besitzer und Hund bei schwerwiegenden Verhaltensproblemen wie Aggression an einen Spezialisten. Schwerwiegende Verhaltensprobleme – wie zum Beispiel Aggression gegenüber dem Besitzer – beschädigen die Hund-Besitzer-Bindung nachhaltig und mindern letztlich das Verantwortungsgefühl für die Deckung der Bedürfnisse des Hundes nach ausreichend Bewegung. Auch Aggression gegenüber fremden Menschen und/oder anderen Hunden macht das Spazierengehen sehr viel schwieriger für den Besitzer und mindert somit seine Motivation für das Ausführen des Hundes. In solchen Fällen können Sie helfen, indem Sie betroffene Besitzer an einen erfahrenen Experten für Hundeverhalten überweisen – in der Regel an ein Mitglied eines anerkannten Hundetrainerverbandes. Wichtig ist, dass Hundetrainer ausreichend qualifiziert sind und belohnungsbasiertes Training einsetzen, da Methoden, die auf Bestrafung oder Aversion setzen, den Hund wahrscheinlich noch ängstlicher machen und das unerwünschte Verhalten auf lange Sicht nur weiter verstärken.
  • Engagieren Sie sich für ein ausreichendes Angebot geeigneter Flächen zum Ausführen von Hunden. Besitzer brauchen geeignete Flächen, auf denen Sie ihre Hunde ausführen können und die in ausreichender Nähe liegen, damit das Spazierengehen mit dem Hund problemlos in den stressigen Alltag integriert werden kann. Engagieren Sie sich vor Ort für die Schaffung und den Erhalt gut geeigneter Flächen zum Hundeausführen in der Umgebung Ihrer Praxis. Diese Gebiete sollten auch das Laufen ohne Leine ermöglichen und interessante landschaftliche Strukturen wie Rundwege bieten, die Besitzer und Hund dazu motivieren, sich zu bewegen und die Umgebung zu erkunden. Kleine, umzäunte „Ohne Leine“-Parks können sich dagegen nachteilig auswirken, und zwar sowohl für den Besitzer (der dorthin fährt und dann sitzt oder steht) als auch für die Hunde (die zu Interaktionen mit anderen Hunden gezwungen sind, an denen sie keine Freude haben). Erstellen Sie für Ihre Kunden eine Liste mit den in der Umgebung vorhandenen Möglichkeiten zum Hundeausführen oder hundegeeignete Spazier- oder Wanderwege.

Box 2. Tipps für das Training des Ausführens von Hunden ohne Leine.

Trainingshilfen

Abbildung 5. Ein Kopfhalfter der geeigneten Größe kann unschätzbar wertvolle Dienste für das Training leisten.
© Shutterstock

Es gibt zahlreiche Geschirre und Kopfhalfter auf dem Markt, die gegen übermäßiges Ziehen des Hundes helfen. Anders als viele Besitzer denken, handelt es sich dabei aber nicht um einen Zauberstab. Regelmäßiges Hundetraining ist nach wie vor notwendig, wird durch diese Hilfsmittel aber einfacher. Die am besten geeigneten Hilfsmittel sind Kopfhalfter oder Geschirre, die am Fang befestigt sind und eine Art von „Servolenkung“ zur Steuerung des Hundes während des Trainings darstellen (Abbildung 5). Halsbänder sollten vermieden werden, da sie die Gefahr mit sich bringen, dass der Hund lernt, an der Leine zu ziehen (im Versuch, sich vom Schmerz zu entfernen). Ebenfalls zu vermeiden sind Geschirre, bei denen die Leine am Rücken befestigt wird, da sie dem Hund lediglich noch mehr Kraft zum Ziehen über die Schultern geben.


Abbildung 6. Die korrekte Position für das Training des Laufens ohne Leine; Gehen Sie nur nach vorn, wenn der Hund bei lockerer Leine an Ihrer Seite ist.
© Karen Wild and Silverlight Photography

Training

  1. Es gehören immer zwei zum Ziehen, und viele Besitzer machen den Fehler, die Leine stramm zu halten, was den Hund lediglich dazu zwingt, daran zu ziehen. Beginnen Sie das Training mit dem Hund auf Ihrer linken oder rechten Seite (je nach Vorliebe, dann aber konsequent immer dieselbe Seite) mit der Leine, die weder zu lang noch zu kurz sein darf, sondern gerade ausreichend locker. Ziel ist, dass der Hund an Ihrer Seite läuft und nicht vor Ihnen (Abbildung 6).
  2. Viele Besitzer versuchen als Belohnung für das Gehen an der Leine Leckerchen einzusetzen, und dies ist gelegentlich auch durchaus sinnvoll. Die wahre Belohnung für den Hund liegt aber darin, dass er nach vorn laufen darf. Laufen Sie also los, wenn der Hund an Ihrer Seite ist.
  3. Sobald der Hund vor der Linie Ihrer Beine läuft, und noch bevor er das Ende der Leine erreicht und „belohnt“ wird für das Nachvornlaufen (selbst für eine Sekunde), müssen Sie stehen bleiben und den Hund auffordern, zurück an Ihre Seite zu kommen.
  4. Damit Ihr Hund lernt, dass es nicht erwünscht ist, vor seinem Besitzer zu laufen, ist Ihre schnelle Reaktion entscheidend. Sobald er an Ihre Seite zurückgekehrt ist loben Sie ihn und laufen Sie wieder los.
  5. Diese Übungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch und sind relativ schwierig in den normalen Alltag zu integrieren. Wenn gelegentlich einmal keine Zeit für all dies Vor- und-Zurück einer Trainingseinheit ist, gehen Sie einfach weiter und führen Sie den Hund normal aus. Ein sehr guter Tipp ist, mit zwei unterschiedlichen Leinen zu arbeiten, eine, an der der Hund durchaus ein wenig ziehen kann (er darf nicht stark zerren, aber ein perfektes Laufen an der Leine muss es hier nicht sein) und eine andere Leine, an der jegliches Ziehen des Hundes niemals zu einer Belohnung führt. Wenn ein schneller Spaziergang erforderlich ist, verwenden Sie Erstere.

Box 3. Tipps für das Rückruftraining.

  1. Kennt der Hund seinen Namen? Wenn nicht, kann es insbesondere in einer ablenkungsreichen Umgebung unmöglich sein, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Beginnen Sie, indem Sie seinen Namen nennen, und ihm ein Häppchen von seinem Futter geben, und dann wiederholen Sie dies wieder und wieder. Schon sehr bald sollte der Hund zu Ihnen schauen, sobald er seinen Namen hört, da er ein Leckerchen erwartet.
  2. Wenn der Hund seinen Namen kennt und sich auf Sie fokussiert, bringen Sie ihm bei, was das Kommando „Komm“ bedeutet. Mit dem Hund an der Leine (oder ohne Leine auf einem kleinen, sicheren Areal) halten Sie eine kleine Futterbelohnung auf Höhe Ihrer Knie, sagen Sie seinen Namen, und das Kommando „Komm“ und gehen Sie rückwärts. Die Nase Ihres Hundes sollte dem Leckerchen nun nachgehen und der Hund sollte Ihnen folgen, während Sie langsam weiter rückwärtsgehen. Nach einigen Schritten halten Sie an, geben ihm den Snack und loben ihn (Abbildung 7). Wiederholen Sie diese Übung mehrmals, und steigern Sie die Entfernung zwischen Ihnen und Ihrem Hund, so dass er sich Ihnen zuwenden und zu Ihnen rennen muss, wenn Sie rückwärtsgehen. Wenn er Sie ignoriert, bleiben Sie stehen und locken Sie ihn mit Hilfe des Leckerchens. Wiederholen Sie nicht einfach nur seinen Namen.
  3. Eine andere Person hält den Hund am Halsband oder am Geschirr, während Sie ihm das Leckerchen zeigen, dass er sich verdienen kann, und sich dann einige Schritte entfernen. Dann rufen Sie Ihren Hund, und die helfende Person lässt entweder das Halsband los oder rennt zusammen mit dem Hund (Abbildung 8). Weil Sie es sind, der den Hund verlassen hat, und nicht der Hund sich von Ihnen entfernt hat, neigt er sehr viel eher dazu, Ihnen folgen zu wollen. Loben und belohnen Sie Ihn mit einem Snack, wenn er zu Ihnen kommt.
  4. Mit Hilfe dieser Übungen sollte Ihr Hund in der Lage sein, einem Rückruf vollständig und erfolgreich zu folgen. Das ist sehr wichtig, weil ein Hund in der realen Welt stets eine Entscheidung treffen muss: 1. Zum Besitzer kommen oder 2. Weggehen und interessantere Dinge erkunden wie andere Hunde, Eichhörnchen etc. Das Kommen nach dem Zurückrufen muss stets mit einer Belohnung verknüpft werden. Bestrafungen dürfen in diesem Zusammenhang nie eingesetzt werden, egal wie lange der Erfolg auf sich warten lässt. Noch wichtiger ist aber, dass das Zurückrufen zu einer Gewohnheit wird, über die der Hund schließlich gar nicht mehr nachdenken muss. Deshalb ist es so wichtig zu üben, zu üben und nochmals zu üben. Je häufiger ein Hund gerufen wird, und nicht zurückkommt, desto häufiger lernt er, Sie zu ignorieren. Aus diesem Grund dürfen Sie Ihren Hund nur dann rufen, wenn Sie eine 90 %ige Chance sehen, dass er tatsächlich zurückkommt. Im Zweifel halten Sie Ihren Hund an einer Führleine oder einer Trainingsleine, so dass Sie ihn gut managen können, bis Sie sicherer sind, dass er tatsächlich richtig reagieren wird.
Abbildung 7. Rückruftraining an der Leine. Sie sagen den Namen des Hundes und „Komm“, um ihn zu animieren, sich Ihnen zuzuwenden und Ihnen für eine Futterbelohnung zu folgen.
© Karen Wild and Silverlight Photography
Abbildung 8. Weitere Rückrufübungen an der Leine: Eine andere Person hält den Hund an der Leine während Sie sich entfernen. Dann rufen Sie den Hund zu sich für eine Futterbelohnung.
© Karen Wild and Silverlight Photography

Carri WestgarthDer mächtigste Motivator für körperliche Aktivität ist in den meisten Haushalten schon gefunden: zahlreiche Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen Hundebesitz und einem erhöhten körperlichen Aktivitätslevel von Hundebesitzern.“Carri Westgarth

Was aber, wenn ein Besitzer nicht in der Lage ist, seinen Hund auszuführen? Längere Spaziergänge können unter bestimmten Umständen schwierig zu bewerkstelligen sein, zum Beispiel für Hundebesitzer mit gesundheitlichen Einschränkungen. Zunächst sollte diesen Besitzern geraten werden, ihren Hausarzt zu fragen, welches Maß an Bewegung für sie das richtige ist. In den meisten dieser Fälle wird eine gewisse körperliche Bewegung durchaus möglich sein. Zum Zweiten sollte man Besitzern, die selbst nicht in der Lage sind, für ausreichend Bewegung zu sorgen, nicht unmittelbar raten, einen Hundesitter mit dem Ausführen zu beauftragen. Denn es gibt eine ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten mit dem Hund, zum Beispiel Agility, Gehorsamkeitstraining oder das Beibringen von Tricks oder bestimmten Spielen. Etwas gemeinsame Bewegung von Mensch und Hund ist in jedem Fall besser als gar keine Bewegung.

Schlussfolgerung

Das Hundeausführen ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hunden und ihren Besitzern, und sollte daher gefördert werden. Strategien zur Steigerung des Ausführens von Hunden umfassen das Thematisieren von Verhaltens- und Trainingsproblemen mit dem Ziel, das Ausführen des Hundes für den Besitzer angenehmer zu machen, das Korrigieren falscher Annahmen zum Bewegungsbedarf kleiner Hunde, aber auch eine Beratung, wie Besitzer das Hundeausführen zur täglichen Routine machen können und nicht zuletzt das persönliche Engagement des Tierarztes für die Schaffung geeigneter Flächen, auf denen sich Hunde auch ohne Leine bewegen können. Ohne unsere Heimtiere würde sich die Bevölkerung insgesamt weniger bewegen, und um die körperliche und geistige Gesundheit der Menschen wäre es deutlich schlechter bestellt.

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