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Veterinary Focus

Ausgabe nummer 28.3 Ernährung

Feuchtnahrung: Wann ist sie angezeigt?

veröffentlicht 12/12/2018

Geschrieben von Jess L. P. Benson und Megan L. Shepherd

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Halbtrockene und trockene Tiernahrungen haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Feuchtnahrungen weisen einige einzigartige Merkmale auf und können in bestimmten Situationen deutliche Vorteile haben. Megan Shepherd und Jess Benson geben uns einen kurzen Einblick in einige der wichtigsten Fakten hinter diesen Nahrungen und diskutieren, warum Feuchtnahrungen bei einigen Katzen und Hunden die Futtermittel der Wahl sein können.

Feuchtnahrung: Wann ist sie angezeigt?

Kernaussagen

Feuchtnahrungen können in bestimmten Situationen einige Vorteile gegenüber halbfeuchten und trockenen Nahrungen haben.


Die Gesundheit des Tieres, der diätetische Vorbericht und die finanziellen Möglichkeiten des Halters sind vor der Fütterung von Feuchtfutter zu bewerten. Tiernahrung sollte stets von angesehenen Herstellern stammen.


Einleitung

Die meisten Hunde und Katzen werden heute mit kommerziell hergestellten Tiernahrungen gefüttert. Nur wenige Tiere bekommen kommerziell hergestellte Feuchtnahrung als primäres Futter 1, wobei Katzen insgesamt mehr Feuchtnahrung zu verzehren scheinen als Hunde 2. Oft möchten Tierhalter von ihrem Tierarzt wissen, welches Futter am besten geeignet ist für ihr Tier. Dieser kurze Artikel gibt einen Überblick über einige der hervorstechenden Punkte, die für Feuchtnahrung sprechen.

Einige wichtige Fakten

Feuchtnahrung hat einen Feuchtigkeitsgehalt von 60-80 %, während halbfeuchte Nahrung etwa 25- 30 % und Trockennahrung etwa 10 % Feuchtigkeit enthalten 3. Um die gewünschte Textur zu erreichen, enthalten Feuchtnahrungen gelbildende Substanzen wie lösliche Fasern 4, Stärke, Weizengluten und sprühgetrocknetes tierisches Plasma 5. Die Verdaulichkeit der Makronährstoffe scheint durch diese gelbildenden Substanzen nicht beeinflusst zu werden 5, 6. Dagegen scheinen Mikronährstoffe wie Selen 7, Natrium und Kalium 8 in Feuchtnahrung eine niedrigere Bioverfügbarkeit zu haben, wahrscheinlich aufgrund der enthaltenen gelbildenden Substanzen 5. Thiamin ist ein hitzeinstabiler essenzieller Nährstoff, der Berichten zufolge in einigen Paté-artigen Feuchtnahrungen und in Feuchtnahrungen, die von einigen kleineren Tiernahrungsherstellern produziert werden, in defizitärer Menge enthalten ist 9. Feuchtnahrung sollte zudem einen höheren Tauringehalt als Trockennahrung aufweisen, um die bei der Fütterung von Feuchtnahrung erhöhte Gallensäureausscheidung und den nachfolgenden mikrobiologischen Abbau von Taurin auszugleichen 10.

Welche Vorteile haben Feuchtnahrungen?

Feuchtnahrung kann gegenüber Trockennahrung oder halbtrockener Nahrung einige Vorteile haben und eine höhere Akzeptanz aufweisen, da sie in der Regel aromatischer ist und in verschiedenen Texturen angeboten wird.
Abbildung 1. Feuchtnahrung kann gegenüber Trockennahrung oder halbtrockener Nahrung einige Vorteile haben und eine höhere Akzeptanz aufweisen, da sie in der Regel aromatischer ist und in verschiedenen Texturen angeboten wird. © Shutterstock

Feuchtnahrung hat Berichten zufolge oft eine höhere Schmackhaftigkeit und damit bessere Akzeptanz als Trockennahrung 11, 12. Zum Teil kann dies daran liegen, dass Feuchtnahrungen im typischen Fall einen im Vergleich zu Trockennahrungen höheren Proteingehalt aufweisen 13, der insbesondere bei Katzen zu einer besseren Akzeptanz beiträgt 14. Zudem sind Feuchtnahrungen oft reicher an Fett, das ebenfalls zu einer allgemeinen Erhöhung der Schmackhaftigkeit und Akzeptanz beiträgt (Abbildung 1). Feuchtnahrung kann darüber hinaus aromatischer (geruchsintensiver) sein und ist in verschiedenen Texturen erhältlich, zum Beispiel als Pâté oder kleine Häppchen in Soße 15. Während einige Tiere eine Präferenz für Feuchtnahrung zeigen, bevorzugen andere sehr deutlich Trockennahrung 16.

Der hohe Feuchtigkeitsgehalt von Feuchtnahrungen kann zu einer Reduzierung der Gesamtkalorienaufnahme pro Mahlzeit führen 17, und auf diesem Weg das Adipositasrisiko bei Katzen senken 18. Eine erfolgreiche Reduktion des Körpergewichts gelingt aber auch durch Fütterung von Trockennahrung mit erhöhtem Anteil unlöslicher Fasern. Die im Vergleich zu Trockennahrung höheren Kosten (Preis pro Kalorie) und die verderbliche Natur von Feuchtnahrung können zudem die Gefahr des Überfütterns mindern. Allerdings hat Feuchtnahrung einen höheren Fettanteil als Trockennahrung und somit einen höheren Kaloriengehalt auf Basis der Trockensubstanz.

 Die stärkste Indikation für Feuchtnahrung besteht bei Patienten mit Erkrankungen der Harnwege, bei denen eine stärkere Verdünnung des Harns erforderlich ist.
Abbildung 2. Die stärkste Indikation für Feuchtnahrung besteht bei Patienten mit Erkrankungen der Harnwege, bei denen eine stärkere Verdünnung des Harns erforderlich ist. © Shutterstock

Feuchtnahrung erhöht die tägliche Gesamtwasseraufnahme 19, 20 trotz eines negativen Effektes auf die Trinkwasseraufnahme 21. Die stärkste Indikation für Feuchtnahrung besteht bei Patienten mit Erkrankungen der Harnwege, bei denen eine Verdünnung des Harns erforderlich ist (Abbildung 2). Auch im Rahmen der diätetischen Behandlung der Felinen Idiopathischen Cystitis (FIC) kann eine Fütterung mit Feuchtnahrung angezeigt sein 22. Das spezifische Harngewicht und die relative Übersättigung des Harns (RSS) mit Calciumoxalat werden reduziert, wenn Katzen 19 oder Hunde mit einem entsprechend erhöhten Risiko 20 eine Nahrung mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 73 % anstelle einer Nahrung mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 7 % erhalten. Die Fütterung von Trockennahrung kann einer von vielen weiteren diätetischen Risikofaktoren für die Entstehung einer Calciumoxalaturolithiasis bei Hunden sein 23.

Feuchtnahrungen haben im Allgemeinen einen geringeren Gehalt an verdaulichen Kohlenhydraten und können daher eine gute diätetische Option für Patienten mit Diabetes mellitus sein. Darüber hinaus fördert die verderbliche Natur von Feuchtnahrung eine Mahlzeitenfütterung (im Gegensatz zur ad-libitum-Fütterung), eine Fütterungsstrategie also, die für diabetische Patienten wahrscheinlich von Vorteil ist. Auch bei Patienten mit Schmerzen im Bereich der Maulhöhle können Feuchtnahrungen aufgrund ihrer weicheren Textur hilfreich sein. Für die Prävention von Zahn- und Maulhöhlenerkrankungen spielen Feuchtnahrungen dagegen keine Rolle, da sie im Unterschied zu zahnspezifischen Trockennahrungen und/oder zum Zähneputzen nicht zu einer ausreichenden gingivalen Stimulation führen.

Bei der Wahl der für eine Katze oder einen Hund am besten geeigneten Nahrung müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden. In einigen Situationen kann Feuchtnahrung eine hilfreiche Option sein. Feuchtnahrung ist teurer (Preis/kcal) und verderblicher als Trockennahrung. Bei der Auswahl der Nahrung sollten deshalb der Gesundheitszustand des Tieres, der diätetische Vorbericht und die finanziellen Möglichkeiten des Tierhalters berücksichtigt werden. Unabhängig davon, welche Nahrung letztlich empfohlen wird, sollte der Tierarzt betonen, dass Tiernahrungen grundsätzlich von namhaften Herstellern bezogen werden sollten, die kompetente wissenschaftliche Mitarbeiter in den Bereichen Kleintierernährung, Ernährungswissenschaft und Futtermitteltechnologie beschäftigen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Nahrung bedarfsgerecht und sicher ist.

Literatur

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Jess L. P. Benson

Jess L. P. Benson

Dr. Benson schloss ihr Tiermedizinstudium 2018 am Virginia Maryland College of Veterinary Medicine (VMCVM) ab. Mehr lesen

Megan L. Shepherd

Megan L. Shepherd

Dr. Shepherd schloss ihr Tiermedizinstudium 2006 am VMCVM ab und arbeitete zwei Jahre lang in der allgemeinen Pferdepraxis Mehr lesen

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