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Veterinary Focus

Ausgabe nummer 26.1 Sonstiges Wissenschaft

Häufigkeit kongenitaler Erkrankungen bei Hundewelpen

veröffentlicht 15/03/2021

Geschrieben von Emi Kate Saito und Catherine Rhoads

Auch verfügbar auf Français , Italiano , Español und English

Die Aufnahme eines Hundewelpen in einen Haushalt ist für die neuen Tierbesitzer immer eine freudige und zugleich spannende Angelegenheit. In der Tierarztpraxis werden die jungen, verspielten Hunde für routinemäßige Impfungen und Entwurmungen vorgestellt...

Häufigkeit kongenitaler Erkrankungen bei Hundewelpen

Einleitung

Die Aufnahme eines Hundewelpen in einen Haushalt ist für die neuen Tierbesitzer immer eine freudige und zugleich spannende Angelegenheit. In der Tierarztpraxis werden die jungen, verspielten Hunde für routinemäßige Impfungen und Entwurmungen vorgestellt, und in den meisten Fällen verlaufen diese Visiten ohne besondere Ereignisse. Gelegentlich stellt der Tierarzt jedoch einen Befund außerhalb der Norm fest, zum Beispiel eine kongenitale Erkrankung, die unter Umständen behandelt werden muss. Dieser Artikel liefert einen Überblick über häufig diagnostizierte kongenitale Erkrankungen und analysiert aktuelle Prävalenztrends.
 

 

Analysemethoden

Die Patientenkarteien aller in den Banfield Pet Hospitals im ersten und im letzten Jahr einer Fünfjahresperiode (2010 und 2014) vorgestellten Hunde wurden auf Patienten gescreent, die als Welpen untersucht wurden, und bei denen eine kongenitale Erkrankung diagnostiziert worden war. Als Welpen definiert wurden Hunde, die bei ihrer ersten Visite unter 12 Monaten alt waren. So wurde also beispielsweise ein Hund, der im Januar 2014 in einem Alter von acht Monaten erstmals vorgestellt und anschließend im September 2014 im Alter von 16 Monaten erneut präsentiert wurde, als Welpe gerechnet. In Tabelle 1 sind die bei Hundewelpen diagnostizierten kongenitalen Erkrankungen nach Organsystem aufgelistet. Die Prävalenzen der fünf häufigsten Diagnosen und die relevanten Organsystemgruppen wurden für das Jahr 2014 identifiziert. Als Vergleichsgrößen wurden die Prävalenz jeder Erkrankung und die Organsystemgruppen für das Jahr 2010 herangezogen. Eine statistische Analyse der beobachteten Veränderungen der Erkrankungsprävalenzen über die Zeit wurde mit Hilfe eines Z-Tests zum Vergleich von Proportionen durchgeführt 1.

 

Tabelle 1. Kongenitale Erkrankungen, die im Jahr 2014 in den Banfield Pet Hospitals diagnostiziert wurden.
Organsystem Kongenitale Erkrankungen
Kardiovaskuläres System Aortenstenose, Vorhofseptumdefekt, Septumdefekt, Faktor-VII-Mangel, Hämophilie A, Faktor-VIII-Mangel, Hämophilie B, Faktor IX-Mangel, Persistierender Ductus arteriosus, Pulmonalstenose, Fallot’sche Tetralogie, Ventrikelseptumdefekt, Von-Willebrand-Krankheit
Endokrinium Zwergwuchs, Wachstumshormonmangel
Gastrointestinales System
Gaumenspalte, Zwerchfellshernie, Hiatushernie, Megaösophagus, primärer Megaösophagus, persistierende Gefäßkonvolute im Bereich des Aortenbogens, Persistierender rechter Aortenbogen, Pylorusstenose, Vaskuläre Ringanomalien
Neurologisches System Cerebelläre Hypoplasie, kongenitale Taubheit, Hepatische Encephalopathie, Hydrocephalus, kongenitaler Nystagmus, Portosystemischer Shunt
Reproduktionssystem Kryptorchismus (abdominal/inguinal/nicht spezifiziert*), Pseudo-hermaphrodismus

* Unter die Kategorie „Kryptorchismus (nicht spezifiziert)“ fallen Tiere mit der Diagnose Kryptorchismus ohne den Zusatz abdominal oder inguinal.

 

 Ergebnisse

Im Jahr 2014 wurden nahezu 2,4 Millionen Hunde in mehr als acht Millionen Visiten in den Banfield Pet Hospitals vorgestellt, wovon 540 183 Welpen waren (22,5 %). Tabelle 2 listet die fünf in diesem Jahr am häufigsten diagnostizierten kongenitalen Erkrankungen auf. Die drei häufigsten Diagnosen waren Kryptorchismus (mit 38,3 bis 120,9 Fällen pro 10 000 Hunde mit der Diagnose einer der drei Formen [abdominal – inguinal – nicht spezifiziert]), gefolgt von kongenitaler Taubheit und portosystemischen Shunts. Diese beiden letztgenannten Erkrankungen waren mit weniger als neun bzw. drei Fällen pro 10 000 Hunden deutlich seltener. Die Rangfolge der fünf häufigsten kongenitalen Erkrankungen hatte sich seit 2010 nicht verändert, die Prävalenz (mit Ausnahme der portosystemischen Shunts) dieser Erkrankungen war jedoch von 2010 bis 2014 angestiegen. Sämtliche Veränderungen der Prävalenzen erwiesen sich als statistisch signifikant.
 
Tabelle 2. Prävalenzen der fünf am häufigsten bei Hundewelpen diagnostizierten kongenitalen Erkrankungen.
Diagnose 2014
Anzahl Fälle
2014
Anzahl Fälle pro 10 000
2010
Anzahl Fälle
2010
Anzahl Fälle pro 10 000
Veränderung 
Der Prävalenz
p-Wert
Kryptorchismus (nicht spezifiziert) 6 531 120,9 5 060 92,8 +33.3 % < 0.0001
Kryptorchismus, inguinal 2 513 46,5 2 123 38,9 +19.5 % < 0.0001
Kryptorchismus, abdominal 2 071 38,3 1 881 34,5 +11.0 % 0.0009
Taubheit, kongenital 447 8,3 295 5,4 +53.7 % < 0.0001
Portosystemischer Shunt 126 2,3 200 3,7 -37.8 % < 0.0001

Betrachtet man die Prävalenzen nach Organsystem, wurden reproduktive Erkrankungen häufiger diagnostiziert als jede andere kongenitale Erkrankung (Tabelle 3). Neurologische Erkrankungen landeten mit großem Abstand auf Platz zwei, und gastrointestinale und kardiovaskuläre Erkrankungen noch weiter abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier. Die Veränderungen seit 2010 sind statistisch signifikant für reproduktive, gastrointestinale und endokrine Erkrankungen.

 

Tabelle 3. Prävalenzen kongenitaler Erkrankungen nach Organsystem.
Organsystem 2014
Anzahl Tiere
2014
Anzahl Fälle pro 10 000
2010
Anzahl Tiere
2010
Anzahl Fälle pro 10 000
Prozentuale Veränderung seit 2010 p-Wert
Reproduktionssystem*
 
10 912 202,0 8 861 162,5 +24,3 % < 0.0001
Nervensystem 719 13,3 689 12,6 +5,6 % 0,3270
Gastrointestinales System 182 3,4 256 4,7 -27,7 % 0,0006
Kardiovaskuläres System 141 2,6 150 2,8 -7,1 % 0,6557
 Endokrinium  16  0,3  5  0,1  +200,0 %  0,0154

* Die Gesamtzahl für Kryptorchismus-Fälle in Tabelle 2 liegt geringfügig über der Gesamtzahl der Hunde mit Problemen im Bereich des Reproduktionssystems in Tabelle 3. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass bei einem Welpen in einigen Fällen zunächst abdominaler Kryptorchismus diagnostiziert wurde, und der Hoden dann später mit zunehmendem Wachstum des Welpen in die Inguinalregion abstieg, oder dass ein nicht spezifizierter Kryptorchismus bei einer späteren Visite als abdominal oder inguinal klassifiziert wurde.

Diskussion

In Anbetracht der einfach zu stellenden Diagnose landet der Kryptorchismus keineswegs überraschend auf Platz 1 der am häufigsten diagnostizierten kongenitalen Erkrankungen. Da es sich bei den Banfield Kliniken um erstuntersuchende Praxen handelt, ist es möglich, dass andere in Tabelle 1 aufgelistete Erkrankungen unterdiagnostiziert oder unterdurchschnittlich aufgezeichnet wurden, da in vielen dieser Fälle eine Überweisung zum Spezialisten für eine weiterführende Diagnostik erforderlich ist. Eine weitere Einschränkung dieser Übersicht ist die im Patientenkarteisystem von Banfield vorgegebene standardisierte Liste von Erkrankungen. Wenn also eine Diagnose gestellt wird, und diese im System entweder gar nicht oder unter einer anderen Bezeichnung gelistet ist, besteht die Gefahr, dass die Diagnose nicht richtig aufgezeichnet wird. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Studie auf Fälle begrenzt ist, in denen eine kongenitale Erkrankung innerhalb des ersten Lebensjahres diagnostiziert wird, besteht zudem die Möglichkeit, dass die vorliegenden Daten die tatsächliche Prävalenz einiger Erkrankungen unterschätzen, wenn diese erst nach Erreichen des Alters von einem Jahr entdeckt oder richtig diagnostiziert werden. Das Alterslimit von einem Jahr wurde gewählt, um die Extraktion der Daten zu vereinfachen und um sicherzustellen, dass die Diagnose mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kongenitale Erkrankung widerspiegelt.

Die Veränderungen der Prävalenzen können ein gestiegenes oder gesunkenes Aufzeichnen einer Diagnose im Banfield-System widerspiegeln (auch wenn es für diese Annahme keinen offensichtlichen Grund gibt), oder sie könnten auf verbesserte diagnostische Fähigkeiten und/oder Veränderungen bei der Beurteilung der Zuchtqualität bei Züchtern und Tierbesitzern zurückzuführen sein. Es scheint aber, dass die sich wandelnden Prävalenzen in der Tat echte Veränderungen der Häufigkeit des Auftretens dieser Erkrankungen bei jungen Hunden widerspiegeln, auch wenn die zugrunde liegenden Gründe hierfür nicht offensichtlich sind.

 

References

  1. Woodward M. Epidemiology: study design and data analysis. 2nd ed. Boca Raton, FL: Chapman and Hall/CRC, 2005.

Emi Kate Saito

Emi Kate Saito

Dr. Saito schloss ihr Studium 1997 an der veterinärmedizinischen Fakultät der University of Pennsylvania ab. Im Jahr 2001 erhielt sie einen Master’s Degree Mehr lesen

Catherine Rhoads

Catherine Rhoads

Catherine Rhoads, Banfield Pet Hospital, Portland, Oregon USA Mehr lesen

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