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Ausgabe nummer 2 Human Resources

Wie man ein guter Kollege wird (Teil 2)

veröffentlicht 27/04/2021

Geschrieben von Philippe Baralon , Antje Blättner , Pere Mercader und Mark Moran

Auch verfügbar auf Français , Español und English

Sobald Sie Ihren neuen Job in einer Praxis angetreten haben, müssen Sie lernen, mit den Mitarbeitern umzugehen. Sie müssen aber auch auf sich selbst achten, um einen Burnout zu vermeiden. Dieses Kapitel zeigt Ihnen wie.

Wie man ein guter Kollege wird

Kernaussagen

Auch wenn Sie nichts mit Personalführung zu tun haben, müssen Sie die Grundregeln des Umgangs mit Menschen kennen.


Eine gute Work-Life-Balance und das Vermeiden eines Burnouts sind auch für junge Tierärzte sehr wichtige Punkte.


Wie man Personal überwacht und motiviert

Auch wenn Ihre Rolle in der Praxis keine direkte Verantwortung für andere Angestellte vorsieht, so wird es aller Wahrscheinlichkeit nach gelegentlich zu Situationen kommen, in denen Sie die Arbeit anderer Teammitglieder überwachen sollen. Das kann z.B. die Tätigkeit einer Tierarzthelferin sein, mit der Sie im Operationssaal arbeiten oder aber die Arbeit des Personals in einer Filiale, in der Sie der ranghöchste Angestellte sind. Egal, was genau Ihre Rolle ist – zu verstehen, wie man das Beste aus anderen herausholt, wird immer hilfreich sein.

Respektieren Sie andere!

Die wichtige Regel für jede Supervision ist, „andere zu jeder Zeit zu respektieren“. So sollten Sie immer Respekt vor Ihren Kollegen zeigen – egal welche Rolle Sie innehaben oder wie Ihr beruflicher Hintergrund ist. Dabei ist es auch nicht relevant, wie diese Kollegen Ihrer Meinung nach ihre Tätigkeit ausüben. Man muss sich stets vor Augen halten, dass jeder, der in einer Tierarztpraxis/-klinik arbeitet, den Tieren helfen möchte. Somit wäre es überaus unüblich, dass ein Teammitglied vorsätzlich etwas falsch macht und einem Tier damit unter Umständen schadet. Es ist unentschuldbar, Kollegen mangelnden Respekt entgegenzubringen, indem man die Stimme erhebt, sie anschreit, sie einschüchtert oder mit unschönen Namen belegt bzw. Kommentare über ihr Geschlecht, ihre sexuellen Präferenzen oder ihren Glauben macht.

Feedback geben

Eine der Hauptaufgaben eines Supervisors ist es, den einzelnen Teammitgliedern ein wirksames Feedback zu ihrer Arbeit zu geben. Feedback zu geben und zu erhalten, ist eine wichtige Komponente zur Verbesserung der Leistung einzelner und zur Identifizierung möglicher Verbesserungen im Arbeitsprozess.

Es gibt viele komplexe psychologische Modelle dazu, wie man Feedback gibt und entgegennimmt. Ein einfaches Modell, das in den meisten Umständen funktioniert, ist der sogenannte „Feedback-Burger“. Ein effektives Feedback zu geben, ist wie die Zubereitung eines Burgers. Man beginnt mit der unteren Hälfte des Brötchens, in unserem Fall mit Lob. Danach kommt das Fleisch für den Belag, in unserem Fall Ihre Beobachtungen hinsichtlich der zu überwachenden Tätigkeit, dann Ihre Wahrnehmung der Wirkung dieser Tätigkeit und anschließend das Ersuchen an den Mitarbeiter, seine Vorschläge dazu zu bringen oder aber die erforderliche Verbesserung selbst vorzuschlagen. Abschließend kommt der obere Teil des Brötchens darauf, der aus einer Zusammenfassung der vereinbarten Aktion besteht und zusätzlich mit einer Schicht Lob für das einstimmig erzielte Ergebnis gewürzt wird (Abbildung 7).

 
Abbildung 7. Ein einfaches Modell, um Feedback zu geben und zu erhalten – der sogenannte „Feedback-Burger“. © Shutterstock

Öffentlich loben, aber nur unter vier Augen kritisieren!

Mit Lob sollte man großzügig umgehen, mit Kritik jedoch diskret. Sollte Sie an Ihren Kollegen irgendetwas stören, sollten Sie versuchen, dies in einem Gespräch unter vier Augen zu klären (Abbildung 8). Ihr Chef wird einem neuen Angestellten, der systematisch alle anderen kritisiert, nicht trauen bzw. ihn schon gar nicht unterstützen.
Abbildung 8. Lob kann öffentlich ausgesprochen werden, Kritik und negatives Feedback aber sollte unter vier Augen erfolgen. © Shutterstock

Die Macht des Wortes „Danke“

Es gibt keine bessere Motivation als ein einfaches, zur rechten Zeit gesagtes „Dankeschön“. Je persönlicher und spezifischer dieses Lob ist, desto machtvoller seine Wirkung. Wenn Sie sich bei einem Kollegen bedanken, versuchen Sie, dies mit etwas Konkretem in Verbindung zu bringen. So können Sie z.B. sagen, dass das Ergebnis seines Handelns für Sie selbst, das Tier, den Kunden, die Arbeitskollegen und die ganze Praxis von Vorteil war, etwa „Dadurch, dass Sie gestern bis spät abends in der Klinik geblieben sind, konnten wir den Patienten sofort gut versorgen, was die Chancen auf eine erfolgreiche Heilung immens erhöht. Herzlichen Dank!“

Eine andere, auch sehr wirksame Möglichkeit des Lobens ist, lobende Worte über einen Kollegen bei einem dienstälteren Praxismitglied zu deponieren. Das kann mündlich geschehen oder aber per E-Mail oder einer kurzen Notiz. Wenn Kollegen sehen, dass Sie bereit sind, sie auch an oberer Stelle zu loben, so verstärkt dies noch einmal die Anerkennung für ihre Leistungen.

 
Philippe Baralon

Es gibt keine bessere Motivation als ein einfaches, zur rechten Zeit gesagtes „Dankeschön“. Je persönlicher und spezifischer dieses Lob ist, desto machtvoller seine Wirkung.

Philippe Baralon

Motivation durch „Job Enrichment“

Gute Manager und Supervisoren suchen immer nach Möglichkeiten, ihre Angestellten durch Erweiterung des Aufgabenbereichs oder durch höherwertige Tätigkeiten („Job Enrichment“) zu motivieren. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass das Job Enrichment nicht so weit geht, dass der Angestellte nicht mehr in Ruhe seine eigentlichen Aufgaben erfüllen kann und eher gestresst ist. Wenn dies eintrifft, ist jeder Angestellte schnell unzufrieden. Kontinuierliche Kommunikation und regelmäßiges Feedback sind der Schlüssel zur richtigen Balance in diesem Punkt (Box 2). 
 
Box 2

 Beispiele für „Job Enrichment“

  • Einem Mitarbeiter eine komplette Arbeitseinheit übertragen
  • Mehr Verantwortung übertragen
  • Neue und schwierigere Aufgaben hinzufügen
  • Spezifischere Aufgaben übertragen, sodass der Mitarbeiter ein „Experte“ werden kann

 

Aufbau eines Teams für die Zukunft

Große kommerziell geführte Gruppenpraxen, aber auch zunehmend mehr größere Tierarztpraxen wählen immer öfter einen strukturierteren Zugang zum Leistungsmanagement, um so die Entwicklung der Tierärzte im Rahmen der Praxis auf eine formellere Basis zu stellen. Egal, ob die Praxis, in der Sie jetzt arbeiten, ein formelles System oder einen informellen Zugang zum Thema praktiziert, das Konzept bleibt immer das gleiche, nämlich dass sich die Ziele einer Praxis am besten dadurch erreichen lassen, dass man die Entwicklung seines Personal genau in diese Richtung fördert. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass ein integrativer Zugang zum Leistungsmanagement hinsichtlich Engagement, Klarheit der Ziele und Arbeitsbefriedigung Nutzen für alle bringt.

In seiner einfachsten Form (die wohl auf die meisten Tierarztpraxen zutrifft) besteht das Leistungsmanagement aus drei Phasen:

1. Leistungsbeurteilung

Eine jährliche Leistungsbeurteilung ist das Kernstück aller Leistungsmanagementsysteme. Ein Angestellter und sein unmittelbarer Vorgesetzter setzen sich zusammen und gehen den im abgelaufenen Jahr gemachten Fortschritt durch. Danach legen Sie gemeinsam die Entwicklungsziele für die kommenden 12 Monate fest. Egal, ob formell oder informell, die jährliche Leistungsbeurteilung sollte ein positives, regelmäßiges Element zur beruflichen Weiterentwicklung aller Mitarbeiter (einschließlich Ihnen selbst) sein.

2. Individueller Entwicklungsplan

Das Hauptergebnis der Leistungsbeurteilung ist die Erstellung eines individuellen Entwicklungsplans, der festlegt, wie die gesetzten Ziele erreicht werden sollen. Ein wichtiger Teil dieses Plans ist, dass der Angestellte für seine eigene Entwicklung die volle Verantwortung übernimmt; sein unmittelbarer Vorgesetzter und das Praxisteam unterstützen ihn dabei.

3. Regelmäßige Überprüfung

Mindestens einmal pro Jahr sollte überprüft werden, ob die gemachten Fortschritte dem Entwicklungsplan entsprechen. Im Idealfall sollte eine solche Überprüfung jedes Quartal erfolgen, um den Fortschritt besser beobachten und den Plan gegebenenfalls anpassen zu können. Auch eine Überprüfung der im Rahmen des Leistungsmanagementsystems erzielten gesamten Leistung durch einen Senior Manager sollte durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass alle Angestellten in dem vorgesehenen Zeitraum einer Leistungsbeurteilung unterzogen wurden und dass die Beurteilungen regelmäßig aktualisiert werden.

Wie man für sich das Beste aus seiner ersten Anstellung herausholt

Hat sich die Aufregung über den neuen oder gar ersten Job erst einmal gelegt, kommen die ersten Gedanken daran, wie man aus seiner Zeit in der Praxis wohl eine lohnende Erfahrung machen könnte. Für viele Leute ist die zukünftige Arbeit mit einem neuen Team eine etwas beängstigende Aussicht und man wird sich sehr bemühen, sich einzugliedern und anzupassen. Hier ein paar einfache Tipps, wie Sie Ihre neue Anstellung zu einer für Sie und für Ihren Chef lohnenden Erfahrung machen können.
 

Machen Sie sich Ihre eigenen Ziele bewusst!

Nehmen Sie sich die Zeit und reflektieren Sie darüber, was Sie sich beruflich und persönlich von Ihrer Rolle in der Praxis erwarten. Seien Sie dabei anspruchsvoll gegen sich selbst, aber realistisch hinsichtlich dessen, was die Praxis Ihnen bieten kann. Überlegen Sie nicht nur, was Sie wollen, sondern auch, was Sie zur Erreichung Ihrer Ziele tun müssen und bis wann welches Ziel erreicht sein sollte. Legen Sie im Detail für sich dar, was Ihnen das Erreichen Ihrer Ziele bringt, bzw. welche Probleme entstehen könnten, wenn Sie dies nicht schaffen sollten. Durch diese Gegenüberstellung werden Sie besser in der Lage sein zu beurteilen, wie wichtig ein bestimmtes Ziel tatsächlich für Sie ist.
 

Ihre persönlichen Ziele und die Praxis

Überlegen Sie beim Festlegen Ihrer Ziele auch inwieweit die Praxis davon profitieren würde, wenn Sie Ihre Ziele erreichen. Versuchen Sie herauszufinden, ob und wie die Unterstützung durch die Teammitglieder letztlich auch Ihren Kollegen hilft, ihre eigenen Ziele zu erreichen. Je größer der gegenseitige Nutzen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie die Praxis bei der Erreichung Ihrer Ziele unterstützt. Wenn Sie andererseits feststellen müssen, dass dies für die Praxis keinen oder kaum einen Vorteil hat, dann können Sie keine Unterstützung erwarten. Dann müssten Sie sich etwas überlegen und entweder Ihre Ziele abändern oder Sie versuchen, mit der Praxis zu einem für beide Parteien nutzbringenden Arrangement zu kommen.
 

Legen Sie Ihre Ziele von Anfang an offen!

Ihr neuer Arbeitgeber erwartet von Ihnen, dass Sie Ambitionen haben sowie den Wunsch, Ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten zu verbessern. Wahrscheinlich wurden sie darauf schon im Bewerbungsgespräch angesprochen. Mangelnde Realisierung von persönlichen Ambitionen ist der häufigste Grund dafür, dass gute Angestellte eine Praxis verlassen. Insofern sollten Sie keine Angst haben, Ihre Ziele offen mit Ihrem Arbeitgeber zu besprechen. Behalten Sie dabei die oben genannten Ratschläge im Hinterkopf und versuchen Sie, mit der Praxis zu einer für beide Seiten nutzbringenden Vereinbarung zu kommen.
 

Den Dialog aufrechterhalten

Wie bereits besprochen, sollte eine effiziente Beziehung zwischen Arbeitgeber und Angestelltem für beide Parteien von Nutzen sein. Dafür kann es oftmals notwendig werden, dass beide Kompromisse eingehen. Man muss auch sehen, dass sich die Bedürfnisse jeder der beiden Parteien im Laufe der Zeit auch verändern. Daher ist es wichtig, eine gute Gesprächsbasis zu schaffen und den Dialog mit dem Arbeitgeber, eventuell über Ihren direkten Vorgesetzten, am Leben zu erhalten. Letztendlich sollte aber jeder Angestellte selbst die Verantwortung für seine Entwicklung übernehmen und dazu bereit sein, in diesem Prozess eine proaktive Rolle einzunehmen.
 

Gutes Zeitmanagement

Zeit ist eine einzigartige Ressource; man kann sie nicht speichern, nicht strecken oder komprimieren oder sonst irgendwie verändern. Deshalb müssen wir sie bestmöglich nutzen!
 

Planen Sie Ihre Zeit!

Man sagt oft, Erfolg erreiche man „zu 90 % durch gute Vorbereitung und zu 10 % durch Schweiß“ (Abbildung 9). Das heißt, dass man die Zeit, die man für die Vorbereitung einer Arbeit verwendet, danach während der tatsächlichen Tätigkeit mehr als wettmacht.
  • Beginnen Sie den Tag also immer damit, sich einen Plan zu machen!
  • Machen Sie sich eine Liste all jener Dinge, die Sie heute erledigen wollen, und organisieren Sie dann Ihre Zeit nach der Priorität der einzelnen Punkte. - Ist die Aufgabe dringend (D)? Ist sie wichtig (W)? Ist sie beides, also dringend und wichtig, oder vielleicht keines von beidem?
  • Reihen Sie Ihre Aufgabenliste nach Priorität: Zuerst die Dinge, die sowohl dringend als auch wichtig sind, danach die Aufgaben, die dringend sind, und zuletzt die wichtigen Dinge. Ist eine Tätigkeit weder dringend noch wichtig, sollten Sie sich fragen, warum Sie sie überhaupt durchführen sollen!
     
Abbildung 9. Wenn Sie mehr Zeit für Planung und Vorbereitung einplanen, sparen Sie Zeit bei der Ausführung.

Organisieren Sie Ihre Zeit!

Entscheiden Sie, was Sie als Erstes tun:

  • Beginnen Sie mit einfachen oder raschen Dingen (einfach, um sie aus dem Kopf zu haben).
  • Fassen Sie ähnliche Aufgaben zusammen (um die Zeit effizienter zu nutzen). 
  • Wenden Sie sich nun den umfangreicheren Aufgaben zu.
  • Überlegen Sie, ob Sie einen Teil der Aufgabe delegieren können.
  • Wenn die Aufgabe weder dringend noch wichtig ist:
    - Hinterfragen Sie, ob sie überhaupt durchgeführt werden soll.
    - Erwägen Sie die Übertragung solcher Aufgaben (ganz oder teilweise) an andere.
     

Arbeiten Sie zielgerichtet!

Setzen Sie sich für Ihre Vorhaben realistische Ziele und eventuell bestimmte Deadlines, falls Ihnen dies hilft, konzentriert zu bleiben. Belohnen Sie sich zwischendurch mit Pausen oder einem Snack etc., um sich selbst für die Vollendung der Aufgabe zu motivieren. Ihre Energie und Anstrengungen gezielt einzusetzen, ist der Unterschied zwischen „beschäftigt sein“ und „geschäftig tun“.


Koordination im Team

Wir arbeiten als Mitglied eines Teams. Die Koordination unserer Anstrengungen ist somit von grundlegender Wichtigkeit. Allerdings muss die Zeit, die wir miteinander für die Koordination verbringen, durch entsprechende Ergebnisse gerechtfertigt sein. Unsere gemeinsame Zeit zu managen und so sinnvoll einzusetzen, ist von entscheidender Bedeutung. Daher sollte man bei Meetings einige Regeln beachten.

  • Bestehen Sie auf Pünktlichkeit (das gilt auch für Sie) und respektieren Sie die anderen.
  • Erstellen Sie eine klare Agenda, in der für jeden Punkt ein Ziel vorgegeben wird.
  • Bleiben Sie fokussiert. Lassen Sie nicht zu, dass man von Thema abschweift.
  • Dokumentieren Sie die Ergebnisse: was, von wem, bis wann.
  • Resümieren Sie die wichtigsten Punkte und lernen Sie daraus – der letzte Punkt der Agenda sollte sein: Wie hätten wir das Meeting noch effektiver gestalten können?
  • Enden Sie pünktlich.
     

Probleme nicht anhäufen lassen

Es wird immer Probleme geben, die auf Lösung warten. Haben Sie so ein Problem, dann hält es Sie in der Regel von dem ab, was Sie eigentlich tun wollten, z.B. „Hätte ich dieses dumme Problem nicht, das ich zuerst lösen muss, dann könnte ich mit dem und dem weitermachen...“. Wir können aber auch in die Situation kommen, dass wir einem Kollegen helfen wollen und z.B. sagen „Komm, ich mach das jetzt mal für Dich, mach du einfach weiter mit...“. So kann es ganz schnell passieren, dass wir alle möglichen Probleme in der Klinik lösen wollen und keine Zeit mehr haben, unsere eigene Arbeit zu erledigen bzw. unser eigenes Problem aus der Welt zu schaffen. Vermeiden Sie also, sich die Probleme anderer aufzubürden und sorgen Sie vielmehr dafür, dass die Kollegen die Fähigkeiten und die Kompetenz haben, ihre eigenen Probleme selbst zu lösen. Auf diese Art und Weise sollten sie dann auch in der Lage sein, beim nächsten Auftreten eines ähnlichen Problems dieses ohne Ihre Hilfe zu lösen. Vergessen Sie nicht, dass ungelöste Probleme zum Lösen da sind und nicht dafür, dass man sie liegen läßt und anhäuft.
 

Verbesserungen kontrollieren

Erstellen Sie für sich ein Zeitprotokoll, damit Sie besser erkennen können, wie Sie Ihre Zeit derzeit nutzen. Sie werden vielleicht überrascht sein!

Gehen Sie Ihr Zeitprotokoll in Ruhe durch, um zu sehen, wo noch Raum für Verbesserungen ist. Sobald Sie erkannt haben, dass Sie etwas ändern müssen, machen Sie sich einen entsprechenden Plan und überlegen Sie sich auch, wie Sie die Verbesserungen umsetzen können.

Fangen Sie gleich mit den Änderungen an und schauen Sie sich nach ein paar Wochen erneut Ihr Protokoll an, um Ihre Fortschritte zu überprüfen. Fragen Sie sich, was gut gegangen ist und was Sie lernen konnten (Abbildung 10).

Identifizieren Sie dann erneut eventuell verbesserungswürdige Bereiche, planen Sie die Verbesserungen, setzen Sie sie um, kontrollieren Sie sich erneut und fragen Sie sich „Was habe ich gelernt?“. So kann das eine Weile weitergehen, denn vergessen Sie nicht

 Wir können die Zeit nicht managen,
wir können uns nur in unserer Zeiteinteilung managen!
Antje Blättner

Erstellen Sie für sich ein Zeitprotokoll, damit Sie besser erkennen können, wie Sie Ihre Zeit derzeit nutzen.

Antje Blättner

Abbildung 10. Der Verbesserungszyklus. © Petr Vaclavek

Managen Sie Ihre Zeiteinteilung hinsichtlich Kollegen und Kunden

Ein wichtiges Element des Zeitmanagements ist die Tatsache, dass wir Teil eines Teams sind und als solche unsere Aktivitäten oft mit denen anderer verknüpft sind. Wie wir selbst unsere Zeit managen, kann sich positiv oder negativ auf das Zeitmanagement unserer Kollegen auswirken und umgekehrt.

Die Folgen unserer eigenen Zeiteinteilung für andere (sowohl Kollegen als auch Kunden) zu erkennen, ist ein wichtiger Bestandteil eines effizienten Teamworks und zudem entscheidend für einen hochqualitativen Dienst am Kunden. Wenn Sie es z.B. zulassen, dass durch die Bemühungen für einen einzigen Kunden das Wartezimmer total überfüllt wird, so bedeutet das für die einbestellten Kunden mit ihren Tieren, dass sie unnötig lange warten müssen. Gleichzeitig hat dies aber auch Folgen für Ihre Kollegen, weil Sie dann vielleicht eigene geplante Operationen oder aber auch Meetings verschieben müssen.

Immer realistisch bleiben

Wann immer wir von einem Kunden, einem Kollegen oder unserem Chef um etwas ersucht werden, ist die Versuchung groß, aus Angst vor enttäuschten oder verärgerten Gesichtern auch einem unrealistischen Zeitplan zuzustimmen. Sagen Sie aber „Nein“, ist die Person enttäuscht und Sie können außerdem in den Ruf geraten, dass man sich auf Sie nicht verlassen kann. Hinterfragen Sie daher den geforderten Zeitplan, um die Dringlichkeit oder Wichtigkeit der Aufgabe zu verstehen. Wenn nötig, müssen Sie einen neuen Zeitplan aushandeln, mit dem Sie besser leben können.
 
Wenn Sie feststellen, dass Sie ständig gebeten werden, Aufgaben in einem unrealistischen Zeitrahmen zu erledigen, dann sollten Sie dies mit Ihren Kollegen oder Ihrem Chef besprechen, um herauszufinden, ob es vielleicht an Ihrem eigenen Arbeitstempo oder Ihrem Zeitmanagement liegt. Denn vergessen Sie nicht: Auch Ihre Kollegen und Ihr Chef waren einmal junge und unerfahrene Berufsanfänger und werden daher in der Regel verständnisvoll reagieren und Sie mit Ideen oder Vorschlägen aus ihrer eigenen Erfahrung unterstützen.
 
 

Wie man ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Berufsund Privatleben erreicht

Die meisten Tierärzte engagieren sich sehr in ihrer Arbeit; manche gehen sogar voll in der Arbeit auf, arbeiten täglich extrem lange und verbringen fast ihre ganze Zeit in der Klinik oder bei Fortbildungsveranstaltungen. Internationale Studien haben festgestellt, dass die berufliche Belastung und die Unzufriedenheit mit dem Job unter den Tierärzten deutlich höher sind als in anderen vergleichbaren Berufen. Dies kann zu ernst zu nehmenden psychologischen Symptomen (Stress, Angstzustände, Depression) und in manchen Fällen auch zu Alkohol- oder Drogenmissbrauch führen. Angesichts dieser Tatsache ist es bestimmt nicht verkehrt, wenn man sich bereits als junger Tierarzt zu diesem Thema Gedanken macht und versucht, für sich selbst ein den eigenen Bedürfnissen und Wünschen entsprechendes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben herzustellen (Box 3). Vergessen Sie nie, dass nur ein ausgeglichenes Leben Sie gesund und zuversichtlich erhält und Ihnen hilft, Ihre Ziele zu erreichen. Davon profitieren aber auch alle Personen, mit denen Sie leben und arbeiten, da Sie dann ein freundlicherer und ausgeglichenerer Mensch sein werden. Wenn es Ihnen gelingt, in Ihrem Berufsleben und Ihrem Privatleben ein solides soziales Netzwerk aufzubauen, dann schaffen Sie ein natürliches Gleichgewicht, das Sie befähigt, mit den täglichen Herausforderungen des Lebens fertig zu werden.*
 
*JAVMA, Vol 240, No. 7, April 1, 2012 “Veterinarian satisfaction with companion animal visits“.
 
Box 3
Praktische Tipps zur Aufrechterhaltung eines gesunden Gleichgewichts zwischen Berufsund Privatleben
  • Geben Sie niemals Ihre private Telefonnummer und Ihre private E-Mail-Adresse an Kunden weiter.
  • Sollten Sie doch privat kontaktiert werden (manche Tierbesitzer sind sehr erfinderisch im Beschaffen von Daten), antworten Sie einfach nicht oder ersuchen Sie den Kunden, die Klinik zu kontaktieren.
  • Vermeiden Sie es, außerhalb der Klinik medizinische Ratschläge zu geben bzw. „Mini-Sprechstunden“ abzuhalten.
  • Erbringen Sie außerhalb der Praxis keine tiermedizinischen Leistungen.
  • Planen und strukturieren Sie ein auf Sie zugeschnittenes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben und halten Sie sich auch daran.
  • Seien Sie in Ihrer Praxis hellhörig für alles, was diese Work- Life-Balance betrifft.
  • Denken Sie an all das Gesagte, wenn Sie selbst einmal der Chef sind.

 

Bleiben Sie professionell!

Die erste und wichtigste Botschaft für ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen (tiermedizinischem) Berufsleben und Privatleben lautet: Halten Sie eine professionelle Distanz zu Ihren Kunden und Ihrem Team. Trennen Sie Arbeits- und Privatleben strikt voneinander in dem Sinne, dass Sie in Ihrem Job immer 100 %-ig da sind, aber in dem Moment, wo Sie die Praxis verlassen, nur noch die Privatperson sind, die sich ihre Freizeit verdient hat. Lassen Sie es nicht zu, dass Tierbesitzer Sie beim Einkauf im Supermarkt oder telefonisch bzw. über digitale Medien beruflich ansprechen. Seien Sie freundlich, aber bestimmt, sodass die Botschaft rüberkommt: „Ich habe Ihr Anliegen gehört. Ich bin derzeit nicht im Dienst. Bitte wenden Sie sich wegen eines Termins an die Klinik.“ Diese Botschaft ist auch wichtig in der Interaktion mit Ihrem Praxisteam. Es kann passieren, dass Sie in der Klinik kurz vor Ihrem Dienstschluss von einem Kollegen angesprochen und gebeten werden, etwas für ihn zu tun, und zwar häufig mit dem Kommentar, Sie seien „doch so gut in diesen Dingen“ oder „Ich muss leider ganz dringend nach Hause“. In solchen Momenten fühlen Sie sich unter Umständen sogar geschmeichelt und wichtig, was aber hier geschieht, ist einfach, dass Sie jemand manipulieren möchte, damit Sie seine Aufgaben übernehmen.

Das kann eine verzwickte Situation werden, insbesondere zu Beginn Ihrer Karriere, weil Sie sich zunächst gut fühlen, da Sie doch so ein „netter Kollege“ sind. Aber seien Sie auf der Hut: Wenn Sie erst einmal in diese Falle des „ach so netten Kollegen“ gegangen sind, kommen Sie vielleicht nie wieder heraus, und das kann Ihre Work-Life-Balance ernsthaft gefährden. Es ist viel besser, Arbeits- und Privatleben strikt zu trennen und nur dann, wenn sich wirklich außergewöhnliche Situationen ergeben, gelegentlich eine Ausnahme zu machen. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch ein netter, empathischer Mensch sein können – es heißt nur, dass Sie für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben sorgen sollen, auch wenn dies manchmal schwierig ist. Finden Sie rechtzeitig heraus, ob Ihre Praxis Ihre Wertvorstellungen hinsichtlich Privatleben und Berufsleben teilt, oder ob man von Ihnen erwartet, immer verfügbar zu sein. Am Anfang der beruflichen Karriere kann es okay sein, für einen bestimmten Zeitraum unter suboptimalen Bedingungen zu arbeiten, aber wenn Ihre Praxis nicht Ihre Wertvorstellungen teilt, dann werden Sie langfristig nicht glücklich werden und müssten sich vielleicht überlegen, ein neues und geeigneteres Arbeitsumfeld zu suchen.

 
Pere Mercader

Finden Sie rechtzeitig heraus, ob Ihre Praxis Ihre Wertvorstellungen hinsichtlich Privatleben und Berufsleben teilt, oder ob man von Ihnen erwartet, immer verfügbar zu sein.

Pere Mercader

Stellen Sie Ihre Prioritäten klar!

Um herauszufinden, was für Sie im Leben wirklich wichtig ist, machen Sie sich eine Liste mit all den Dingen, die Sie gerne einmal tun wollen. Es ist erlaubt, Visionen, Ziele und sogar Träume zu haben! Teilen Sie die Liste danach auf in private Aktivitäten einerseits (Familie, Sport, Hobbies) und berufliche Aktivitäten andererseits. Danach ordnen Sie die Aktivitäten von „sehr wichtig“ bis „wäre nett“. Dies verschafft Ihnen einen optischen Überblick darüber, wo Ihre Präferenzen liegen. Der nächste Schritt ist zu beurteilen, wie viel Zeit Sie bereits auf diese Aktivitäten verwenden, und wie viel Zeit Sie gerne damit verbringen würden. Ergänzen Sie Ihre Analyse der wichtigen Aktivitäten dann mit diesen Daten.

Planen und strukturieren

Sobald Sie Ihre Aktivitätenliste fertiggestellt haben, ist der nächste Schritt die Erstellung eines Plans, indem Sie jede Ihrer liebsten privaten Aktivitäten sowie die beruflichen Aktivitäten in einen ausgewogenen Stundenplan eintragen. So haben Sie ausreichend Zeit für die Dinge, die getan werden müssen (Pflichten), die Dinge, die Sie gerne (öfter) tun wollen, und schließlich für echte Freizeit, in der Sie spontan etwas unternehmen können – das ist genau so wichtig für uns Menschen und sollte nicht vergessen werden. Bei einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben sollte immer auch Platz dafür sein, etwas Neues, Inspirierendes zu tun oder aber einfach einmal gar nichts zu tun. Platzieren Sie den Plan an einer Stelle, wo Sie ihn ständig sehen können. Sie können aber auch alles in Ihre Kalender-App auf Ihrem Smartphone oder Notebook eintragen. Auf diese Weise erinnert Sie die App daran, wann es Zeit ist für bestimmte Aktivitäten, die Sie wirklich gerne tun, und zwar auch (Abbildung 11) , wenn Sie z.B. gerade noch einen Notfall behandeln. Durch diese Erinnerungen werden Sie empfänglicher für ein Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben, da Sie immer dann verständigt werden, wenn Sie Gefahr laufen, mit Ihren eigenen Prioritäten ins Ungleichgewicht zu geraten.

Abbildung 11. Sie sollten sich einen ausgeglichenen Stundenplan für Ihre beruflichen Tätigkeiten und Ihre liebsten privaten Unternehmungen machen. Platzieren Sie diesen Plan an einer Stelle, wo sie Ihn immer im Auge haben oder integrieren Sie ihn in Ihre Kalender- App auf dem Smartphone oder Notebook. © Shutterstock

 Bleiben Sie beweglich!

Die Arbeit als Tierarzt ist eindeutig ein physisch wie emotional herausfordernder Job. Oft sind wir am Ende des Arbeitstages erschöpft und können uns nicht vorstellen, noch irgendetwas zu unternehmen – außer zu chillen oder vor dem Fernseher zu entspannen. Obwohl der Beruf des Tierarztes sicher keine sogenannte „sitzende“ Tätigkeit ist, bringt er doch eigentlich nichts für Ihre Fitness. Die Forschung hat gezeigt, dass regelmäßiger Sport die beste Art und Weise ist, Stress abzubauen und die negativen Auswirkungen der oft einseitigen Muskelbelastung und Verspanntheit auszugleichen (Abbildung 12). Sie müssen deshalb jedoch nicht täglich ins Fitness-Studio (dafür haben wir Tierärzte allemal keine Zeit). Bereits ein zügiger Spaziergang von 30-40 Minuten an 3-4 Tagen der Woche kann sich als entspannend und ausgleichend erweisen. Planen Sie also etwas Zeit für regelmäßige Bewegung im Freien ein. Das macht den Kopf frei und ist eine hervorragende Gelegenheit, die aus dem Gleichgewicht geratenen Prioritäten wieder zu sortieren.
 
Abbildung 12. Regelmäßiger Sport ist die beste Art und Weise, Stress abzubauen und die negativen Auswirkungen der oft einseitigen Muskelbelastung und Anspannung auszugleichen. ©Shutterstock

Schlussfolgerung

Als Tierärzte neigen wir dazu, uns nur auf die Tiere zu konzentrieren und haben dabei nicht immer einen guten Draht zu Menschen. Aber gerade die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen in der Praxis/Klinik wird Sie dabei unterstützen, ein guter Teamplayer zu werden. In diesem Kapitel möchten wir Ihnen einige Tipps geben, wie Sie es schaffen, nicht nur von Hunden und Katzen, sondern auch von Ihren Kollegen geschätzt zu werden!

Philippe Baralon

Philippe Baralon

Dr. Baralon schloss sein Studium 1984 an der École Nationale Vétérinaire de Toulouse in Frankreich ab und studierte Wirtschaftswissenschaften Mehr lesen

Antje Blättner

Antje Blättner

Antje Blättner studierte in Berlin und München und eröffnete nach ihrer Approbation 1988 ihre eigene Kleintierpraxis. Mehr lesen

Pere Mercader

Pere Mercader

Dr. Mercader ist seit 2001 als Praxismanagementberater für tierärztliche Praxen und Kliniken in Spanien, Portugal und einigen lateinamerikanischen Ländern tätig Mehr lesen

Mark Moran

Mark Moran

Mark Moran ist seit 19 Jahren als Berater für die Tierärzteschaft tätig und bietet Mentoring und Unterstützung für Inhaber von Tierarztpraxen und deren Mitarbeiter in Schlüsselpositionen. Mehr lesen

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