Einleitung
In der sich stetig weiterentwickelnden Veterinärmedizin gilt die physikalische Rehabilitation heute als wichtige Komponente einer umfassenden Gesundheitsversorgung. Sie verbessert die Lebensqualität geriatrischer Patienten, indem sie gezielt die besonderen Herausforderungen des Alterns adressiert. Mit zunehmender Alterung erfahren Haustiere häufig einen Rückgang von Mobilität, Kraft und allgemeinen Funktionen. Die Folgen sind ein geringeres Aktivitätsniveau sowie ein erhöhtes Risiko für Verletzungen und chronische Erkrankungen wie Osteoarthritis (OA). Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die für geriatrische Patienten zur Verfügung stehenden Optionen. Ziel ist es nicht, diese Methoden im Detail zu beschreiben, sondern vielmehr verschiedene Faktoren zu diskutieren, die bei der Erstellung eines Rehabilitationsprogramms zu berücksichtigen sind, wobei der Schwerpunkt auf dem Management von Patienten mit Osteoarthritis liegt.
Welche Strategien gibt es?
Rehabilitationsstrategien (einschließlich maßgeschneiderte Bewegungsprogramme, manuelle Therapie, ergonomische Anpassungen und therapeutische Verfahren wie Photobiomodulationstherapie (PBMT) und Hydrotherapie) tragen dazu bei, die Flexibilität der Gelenke, die Muskelkraft, die Ausdauer und das allgemeine Wohlbefinden betroffener Patienten zu erhalten und zu verbessern. Rehabilitative Interventionen lindern nicht nur Schmerzen und Beschwerden, sondern verbessern auch die Mobilität und die Unabhängigkeit des Patienten. Darüber hinaus kann Rehabilitation einer weiteren Reduzierung der körperlichen Fähigkeiten vorbeugen und das Gewichtsmanagement unterstützen, welches für eine Reduzierung der Belastung alternder Gelenke von entscheidender Bedeutung sein kann. Mit Hilfe eines umfassenden und ganzheitlichen Ansatzes, der auch Modifikationen im Bereich von Ernährung und Umwelt einschließt, stellt Rehabilitation sicher, dass geriatrische Patienten eine höhere Lebensqualität genießen und in ihren Alltag körperlich aktiv und engagiert bleiben.
Anwendungen und Indikationen der Rehabilitation
Die klinischen Anwendungen der Rehabilitation sind umfangreicher und vielfältiger Natur und wirken sich in signifikantem Maße auf ein breites Spektrum verschiedener Erkrankungen aus, insbesondere, wenn die Maßnahmen spezifisch auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Dazu gehören die Förderung von Genesung und Erholung nach Verletzungen und chirurgischen Eingriffen, das Management von OA oder chronischen Beschwerden bei alternden Haustieren und die Unterstützung übergewichtiger Patienten auf dem Weg zu einem gesünderen Körpergewicht 1,2. Die wichtigsten Vorteile von Rehabilitation sind in Box 1 aufgelistet. Proaktiv eingesetzt kann eine frühzeitige Rehabilitation auch das Fortschreiten degenerativer Erkrankungen wie OA verlangsamen, indem sie gezielt muskuloskelettale Ungleichgewichte und Schmerzen adressiert und so der Entstehung weiterer degenerativer Probleme vorbeugt und sich dadurch als eine wichtige Präventionsmaßnahme in die allgemeine Patientenversorgung einfügt 3. In Box 2 sind die zehn häufigsten Erkrankungen aufgelistet, die in vielen Fällen von rehabilitativen Behandlungsmaßnahmen profitieren 2,3.
Box 1. Die Top-10 der wichtigsten Vorteile von Rehabilitation (von 2,6).
- Linderung von Schmerzen und Entzündungen
- Verbesserung von Gewebeheilung und Erholungsrate
- Erhöhung von Bewegungsausmaß und Flexibilität
- Verbesserung von Mobilität und Leistung
- Verbesserung von Gleichgewicht und Propriozeption
- Wiederherstellung von Kraft und Ausdauer
- Möglichkeit einer minimalinvasiven Behandlungsoption
- Reduzierung des Risikos einer erneuten Verletzung
- Verbesserung der allgemeinen Fitness
- Verbesserung der Lebensqualität
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Box 2. Die Top-10 der häufigsten Erkrankungen, die eine Rehabilitation erfordern (aus 2,3).
- Verschiedene Arten von Schmerzen (akut, chronisch, neuropathisch)
- Degenerative Gelenkerkrankungen (Osteoarthritis)
- Gelenkdysplasie (Hüfte oder Ellenbogen)
- Erkrankung des vorderen Kreuzbandes (CCLD)
- Erkrankung der Zwischenwirbelscheiben (IVDD)
- Degenerative lumbosakrale Stenose (DLSS)
- Zervikale Spondylomyelopathie (Wobbler-Syndrom)
- Amputation
- Vestibuläre Erkrankung
- Dekonditionierung (Verlust der körperlichen Fitness)
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Multimodale Therapie
Für die Behandlung von Patienten mit OA oder Patienten in der Erholungsphase nach chirurgischen Eingriffen oder Traumata wählen Rehabilitationstherapeut*innen in der Regel einen multimodalen Ansatz mit einer Kombination aus pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Interventionen, 4,5. Behandlungstechniken wie die manuelle Therapie (Abbildung 1) verbessern wirksam die Blutzirkulation und fördern die Heilung, während therapeutische Methoden wie Wärmetherapie, Kryotherapie, Photobiomodulationstherapie (PBMT), Akupunktur, Magnetfeldtherapie mit gepulsten elektromagnetischen Feldern (PEMF) und die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) Schmerzen und Entzündungen mit einer bemerkenswerten Wirksamkeit bekämpfen 4,6,7. Therapeutische Übungen und Hydrotherapie (Abbildung 2) sind insbesondere nach Verletzungen von Vorteil, da sie betroffene Patienten bei der Wiedererlangung von Kraft und Mobilität unterstützen - zum Beispiel nach der chirurgischen Behandlung einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes 4,8. Ein weiterer Schlüsselpunkt ist das Gewichtsmanagement, das zur Vermeidung übermäßiger Gelenkbelastungen und anderer durch Übergewicht bzw. Adipositas bedingte Gesundheitsprobleme bei geriatrischen Patienten beitragen kann 5. Bevor Rehabilitation in die tierärztliche Praxis integriert werden kann, müssen sich interessierte Tierärzt*innen oder Physiotherapeut*innen einer strengen Ausbildung unterziehen, um die höchsten Versorgungsstandards zu gewährleisten. Weltweit gibt es zahlreiche Zertifizierungen und Residency-Programme für eine Spezialisierung in diesem transformativen Therapiebereich (Box 3).