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Veterinary Focus

Ausgabe nummer 31.2 Sonstiges Wissenschaft

Isoxazoline bei caniner Demodikose

veröffentlicht 03/12/2021

Geschrieben von Vincent E. Defalque

Auch verfügbar auf Français , Italiano , Español und English

In den vergangenen Jahren kamen einige neue Wirkstoffe für die Behandlung von Ektoparasiten bei Hunden auf den Markt. In diesem Artikel diskutiert Vincent Defalque die Anwendung der vielversprechendsten Vertreter dieser neuen Arzneistoffe – der Isoxazoline – für die Behandlung der caninen Demodikose.

Day 44; Kenny showing full hair regrowth.

Kernaussagen

Isoxazoline sind eine neue Klasse von Ektoparasitiziden, die vor kurzem auf dem veterinärmedizinischen Markt eingeführt wurden; sie sind wirksam, sicher und haben nur sehr wenige Nebenwirkungen.


Isoxazoline haben in den vergangenen Jahren beeindruckende Ergebnisse bei der Behandlung der caninen Demodikose gezeigt und werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich der Grundpfeiler der Therapie sein.


Einleitung

Isoxazoline, eine neue Klasse von Ektoparasitiziden, wurden erstmals im Jahr 2014 in Kanada auf den Markt gebracht. Afoxolaner- und Fluralaner-Tabletten waren anfangs nur für die Behandlung von Flöhen und Zecken bei Hunden zugelassen. Anekdotische Berichte legen aber bald nahe, dass diese neuen Arzneimittel auch gegen andere Ektoparasiten wirksam sind. Zunächst kamen wissenschaftliche Evidenzen für eine Wirksamkeit von Isoxazolinen bei zulassungsüberschreitender Anwendung bei Hunden mit anderen Parasitosen, wie z. B. Demodikose, aber nur langsam auf, dies ändert sich aber heute. Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über diese neue Klasse von Arzneimitteln und ihre Wirksamkeit gegen Demodexmilben bei Hunden.

Canine Demodikose

Die Demodikose wird durch Milben der Gattung Demodex spp. verursacht und ist eine bei Hunden weltweit verbreitete Erkrankung mit verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Optionen. Hintergrundinformationen findet man in den Clinical Consensus Guidelines* der World Association for Veterinary Dermatology (WAVD) mit aktuellen Informationen zur Pathophysiologie, Diagnose und Behandlung häufiger dermatologischer Erkrankungen 1. Bis vor kurzem war Ivermectin für viele Tierärzte das Mittel der Wahl gegen Demodikose, es handelt sich hierbei aber bei weitem nicht um eine ideale First-Line-Therapie.

Seit der Einführung der Isoxazoline hat sich dies jedoch geändert. Wir alle haben Patienten, an die wir uns sehr gut erinnern, und hierzu gehört mit Sicherheit auch Kenny, ein sechs Monate alter, intakter Australian Shepherd Rüde, der im September 2015 mit hochgradigen dermatologischen Symptomen vorgestellt wurde und schließlich die Diagnose Demodikose erhielt. Kenny‘s Effloreszenzen waren hauptsächlich im Gesicht lokalisiert (Abbildung 1), darüber hinaus litt der Hund aber auch unter einer signifikanten sekundären bakteriellen Pyodermie, verursacht durch Methicillin-resistente Staphylococcus pseudintermedius. Aufgrund des hochgradigen Juckreizes infolge der Pyodermie musste Kenny rund um die Uhr einen Halskragen tragen, da er infolge einer Selbsttraumatisierung bereits einen vollständigen Haarverlust im Bereich der Schnauze und der periokulären Region entwickelt hatte. Ich war zunächst skeptisch, ob eine einzelne Dosis eines oralen Arzneimittels bei einem Hund mit Demodikose zu einer parasitologischen und klinischen Heilung führen könnte, wo doch bei diesen Patienten in der Regel eine mehrwöchige tägliche Behandlung mit oralem Ivermectin erforderlich ist, um eine Remission zu erreichen. In Anbetracht des jungen Alters des Patienten und insbesondere seiner Rasse mit bekannter Ivermectinempfindlichkeit, bot sich hier eine hervorragende Gelegenheit, meinen ersten Demodikosefall bei einem Hund mit einer einzigen Dosis Fluralaner zu behandeln. Bei den nachfolgenden Kontrolluntersuchungen zeigten sich erstaunliche Ergebnisse. An Tag 44 waren die Effloreszenzen vollständig zurückgegangen (Abbildung 2), und es gab keinen Zweifel, dass dieses Arzneimittel wirksam war und gut vertragen wurde. Diese klinische Beobachtung lies nun aber zwei Fragen aufkommen. War es jetzt endlich möglich, die Anwendung von titriertem Ivermectin und seine gelegentlichen, aber alarmierenden Nebenwirkungen in die Geschichtsbücher zu verbannen? Und können Isoxazoline tatsächlich zum Game Changer für die Behandlung der caninen Demodikose werden, insbesondere in Tierheimen und in Regionen mit eingeschränkter tierärztlicher Versorgung? Die Antwort auf beide Fragen lautet „ja“! Inzwischen haben diese Arzneimittel beeindruckende Ergebnisse bei der Bekämpfung der caninen Demodikose erzielt, und heute können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Isoxazoline über viele Jahre der Grundpfeiler der Therapie sein werden. Die Ivermectin-Flasche, die wir damals in der Praxis hatten, steht inzwischen mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum weit hinten im Regal.

 

* https://wavd.org/continuing-education/consensus-guidelines

 

Kenny on day 0. A single dose of oral fluralaner.

Abbildung 1. Kenny an Tag 0. Eine Einzeldosis Fluralaner wurde zu diesem Zeitpunkt oral verabreicht. © Vincent E. Defalque

Day 44; Kenny showing full hair.

Abbildung 2. Tag 44. Kenny zeigt ein vollständig nachgewachsenes Fell. © Vincent E. Defalque

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