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Ausgabe nummer 22.3 Zahnheilkunde

Systemische Auswirkungen der parodontalen Erkrankung

veröffentlicht 08/04/2021

Geschrieben von Alessandro De Simoi

Auch verfügbar auf Français , Italiano , Español und English

Bei der parodontalen Erkrankung handelt es sich um die bei Kleintieren am häufigsten festzustellende infektiöse Erkrankung mit einer Prävalenz von nahezu 80%. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter und sinkt mit zunehmender Körpergröße...

Intraorale Röntgenaufnahmen sind eine wesentliche Voraussetzung für die Beurteilung von Hunden und Katzen mit Verdacht auf Parodontitis. Zu beachten ist der Verlust an Alveolarknochen um die betroffenen Zähne.

Kernaussagen

Bei der parodontalen Erkrankung handelt es sich um die bei Kleintieren am häufigsten auftretende infektiöse Erkrankung.


Vermutet wird, dass die parodontale Erkrankung ein zentraler Faktor bei verschiedenen systemischen Erkrankungen sein kann, so z.B. bei kardiovaskulären Problemen, bei Reproduktionsstörungen, bei Lebererkrankungen und bei Diabetes mellitus.


Es gibt verschiedene Hypothesen darüber, auf welche Weise eine Parodontitis systemische Erkrankungen beeinflussen kann, einen definitiven Beweis einer entsprechenden Verbindung gibt es bislang aber noch nicht.


Die Entstehung der parodontalen Erkrankung kann mit Hilfe einer gründlichen Entfernung bakterieller Zahnbeläge (Plaque) durch Zähneputzen und Zahn-/Maulhöhlenhygiene verhindert werden.


Einleitung 

Bei der parodontalen Erkrankung handelt es sich um die bei Kleintieren am häufigsten festzustellende infektiöse Erkrankung mit einer Prävalenz von nahezu 80% 1. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter und sinkt mit zunehmender Körpergröße, das heißt, bei kleineren Tieren kommt die Erkrankung sehr viel häufiger vor als bei mittelgroßen oder großen Tieren 1. Das auch als Zahnhalteapparat bezeichnete Parodont besteht aus dem Zahnfleisch, dem Wurzelzement, der Zahnwurzelhaut und dem Alveolarknochen. Gemeinsam sorgen diese anatomischen Strukturen für die Befestigung des Zahnes im Kieferknochen. Verursacht wird die parodontale Erkrankung durch einen auch als Plaque bezeichneten bakteriellen Zahnbelag. Die Erkrankung kann in zwei Teilelemente unterteilt werden: Gingivitis und Parodontitis. Bei der Gingivitis handelt es sich um eine reversible Entzündung des Zahnfleisches, die sich nach Beseitigung der Ursache, also der bakteriellen Plaque, wieder vollständig zurückbilden kann. Dagegen handelt es sich bei der Parodontitis um ein irreversibles entzündliches Geschehen des nicht-gingivalen Gewebes (Zahnwurzelhaut, Wurzelzement und Alveolarknochen). Die klinische Beurteilung einer Parodontitis erfolgt durch die Messung des Verlustes der Befestigung des Zahnes (epitheliales, desmodontales Attachment) im Kiefer. Eine Parodontitis kann entweder inaktiv (ruhende Phase) sein, ohne Hinweise auf eine Zahnfleischentzündung (wenn ein Attachmentverlust vorliegt, so kann dieser einige Zeit vorher eingetreten sein) oder aber es handelt sich um ein aktives Krankheitsgeschehen mit fortgesetzter Zerstörung des Zahnhaltegewebes (Abbildung 1). Obwohl unbestritten ist, dass es sich bei der Parodontitis um eine infektiöse Erkrankung handelt, und mehr als 700 Bakterienspezies mit der Fähigkeit zur Besiedlung des Biofilms im Sulcus gingivalis nachgewiesen sind, gelten die Koch’schen Postulate* hier nicht 2.

* 1. The microorganism must be found in abundance in an animal suffering from the disease, but should not be found in healthy animals. 2. The microorganism must be isolated from a diseased animal and grown in culture. 3. The cultured microorganism should then cause disease when introduced into a healthy animal. 4. The microorganism must be re-isolated from this experimentally infected animal and identified as being identical to the original causative agent.

 

Abbildung 1. Hochgradige, aktive Parodontitis bei einem Hund. © Dr. De Simoi
 

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